Xaviniesta und 30 weitere Gedanken
Nun ist sie vorbei, die erste WM auf afrikanischem Boden. Und was bleibt hängen nach 31 Turniertagen? Zumindest 31 persönliche Gedanken. Über den Fußball, über Südafrika, über Tröten, über Zakumi, einfach über alles.
Xaviniesta
Die Spanier sind Weltmeister. Und nicht die Treter aus Holland. Gott, was bin ich froh. Fußball ist also doch gerecht. Ich persönlich vergöttere ja Xavi und Iniesta. Die beiden Garanten für die Schönheit und Ästhetik der spanischen Ballzirkulation, die niemals unruhig werden. Xavi ist Herz und Hirn, er bestimmt Taktik, Tempo und Rhythmus. Eine Passmaschine, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und mit einem fantastischen Auge für die Lücke. „Seine Art, den Ball zu passen, zwingt das Spiel, ihm und seinen Ideen zu folgen.“ Jener Satz über Xavi stammt von Andres Iniesta. Diesem blassen, zerbrechlichen und zarten Wesen. „Bei ihm sieht alles Schwierige leicht aus“, erzählte Samuel Eto’o einmal über den begnadeten Techniker, der das Finale in Minute 116 entschied. Ich verneige mich.
Vuvuzela
Schon jetzt mein Topfavorit auf das Wort des Jahres. 20 600 000 Einträge bei Google. Ich fand’s einfach unglaublich, wer sich alles über die Tröte aufgeregt hat. Noch einmal zur Erinnerung, nur so ganz nebenbei: Die Welt war zu Gast in Südafrika. Und dort ist die Vuvuzela, so nervig sie auch klingen mag, Teil der Tradition. Aber in Deutschland will sie offenbar keiner haben. Nicht einmal mein Bruder. Drei Kinder hat er, zehn, acht und drei Jahre alt. „Was soll ich ihnen mitbringen“, fragte ich einen Tag vor meinem Abflug. Seine Antwort: „Keine Vuvuzela!“ Schade.
Elf Freunde
Schlappe fünf Wochen habe ich in Südafrika verbracht, und sofort elf neue Freunde gefunden. Und so sieht sie aus, meine ultimative Lieblings-Elf dieser WM: Casillas – Lahm, Piqué, Ricardo Carvalho, Fabio Coentrao – Schweinsteiger – Müller, Xavi, Iniesta – Messi, Forlan
Linksverkehr
Was wurde vorher ein Bohai veranstaltet, was für Ängste geschürt wegen der Sicherheit in Südafrika. Sogar von schusssicheren Westen war die Rede. Besonders die englischen und deutschen Medien hatten daran ihren Anteil. Und, was ist passiert? Eben. Der größten Gefahr für Leib und Leben, der ich ausgesetzt war, bestand im Linksverkehr. Aber nicht beim Autofahren. Sondern wenn ich zu Fuß die Straße überquerte. Immer schaut man zur falschen Seite.
Jabulani
Ach ja, der Ball. Das unbekannte, flatternde Flugobjekt. Was er alles zu verantworten hatte. Unglaublich. Die vielen Torwartfehler, die wenigen Freistoßtore, den Hunger in der Welt. Hat sich jemand der kickenden Millionarios eigentlich angeschaut, welche Spielgeräte die Jungs in den Townships über die staubigen Plätze treten? Zusammengeknotete Socken, Coladosen, Tennisbälle. Ob diese Buben auch über Flugeigenschaften nölen?
Minitaxi
„Von Fahrten mit Minitaxis wird dringend abgeraten“, schreibt das Auswärtige Amt in seinen landesspezifischen Sicherheitshinweisen. Meine Erfahrungen aus Kapstadt sind andere. Die Lenker dieser Kleinbusse heizen, schneiden, hupen, pfeifen und rufen unentwegt, aber es ist in der Stadt definitiv die beste Gelegenheit, von A nach B zu kommen. Und die spaßigste. Zumindest wenn man drin sitzt. Als Autofahrer vor, neben oder hinter ihnen ist das Vergnügen nicht mehr ganz so groß. Wer mitfahren möchte, stellt sich einfach an die Straße und gibt Handzeichen. Wo der Fahrgast rausgelassen wird, entscheidet er selbst. Viele Schwarze nutzen Minitaxis, die Putzfrau ebenso wie der Anzugträger. Aber viel zu wenig Touris. Ein Fehler, wie ich meine.
Vegetarier
Die Menükarten der südafrikanischen Restaurants sind fleischlastig. Kudu, Springbock, Antilope, Strauß, Elefant und, und und. Ich selbst ziehe es vor, diese Tiere in freier Wildbahn zu bestaunen, anstatt sie auf dem Teller zu zerteilen. Ich bin Vegetarier. Aber verhungert bin ich in Kapstadt nicht. Selbst wenn der ein oder andere Moment gewöhnungsbedürftig war. Einmal saß ich mit einem Kollegen im Steakhouse. Doch, doch, es gibt dort vegetarische Kost. Nudeln, Salat, Bier. Er bestellte ein Steak. Und was passierte? Die Bedienung kommt nach einer Minute zurück. Mit einem Holzbrett in der Hand. Darauf lagen sechs verschiedene Fleischstücke. Roh. Und dann erzählte sie: „Das ist das T-Bone, das ist das …“. Mhhhmm. Ich zog dann doch die Getränkekarte vor.
Schland
Es hat Vorteile, eine WM vor Ort zu verfolgen. Und nicht in Deutschland. Vom lästigen Fernsehprogramm rund um die neunzig Minuten bekommt man null mit. Der Nachteil: Man muss auf die fantastische Stimmung auf den Fanmeilen der Republik verzichten. Und diese Ausgelassenheit war berechtigt, angesichts der Spielkultur „unserer Jungs“. Ups, das Wort geht einem doch viel leichter über die Lippen als noch zu Bertis oder Erichs Zeiten mit ihrem Rumpel- und Maltafüßerfußball. Es sah plötzlich alles so leicht, so schnell, so direkt, so elegant aus. Neben Spanien spielten Löws Jünger gewiss den attraktivsten Fußball des Turniers. Und der war fast so sehenswert wie diese junge Dame. Ist übrigens auch aus Schland.
Tränen
„Ghanas Tränen könnten Flüsse füllen“, schrieb 11Freunde in ihrem Liveticker nach dem Viertelfinal-Aus gegen Uruguay im Elfmeterschießen. Diese WM zeigte jedenfalls eindrucksvoll, dass sich der Mann seiner Tränen nicht mehr schämt. Ob Portugals Eduardo, Spaniens Casillas oder Nordkoreas Star Jong. Der flennte sogar schon vor dem Spiel gegen Brasilien.
Wer nach Kreativität bei dieser WM Ausschau hielt, wurde eher selten auf dem grünen Rasenrechteck fündig. Umso mehr jedoch beim Blick auf die Köpfe der Fans. Das Einfallsreichtum kannte keine Grenzen. Besonders beliebt waren Perücken im Afrolook oder Makarapas. Künstlerisch gestaltete Bauarbeiterhelme. Eine kleine Galerie findet sich rechts. Hut ab, sage ich nur.
Maradona
Nein, keine Kopfbedeckung. Vielmehr einer der besten Fußballer dieses Universum. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei. Und der Versuch, als Trainer zu reüssieren, darf man getrost als gescheitert betrachten. Kein Zweifel, seine Pressekonferenzen hatten enormen Unterhaltungswert, seine Qualitäten als Trainer indes waren arg limitiert. Zwar stand ihm eine Auswahl famoser Spieler zur Verfügung, aber entweder ließ er sie zu Hause (Zanetti, Cambiasso), setzte sie kaum ein (Milito, Veron) oder vergaß, ihnen eine sinnvolle Taktik mit auf den Weg zu geben. Wie sagte Thomas Tuchel
nach Argentiniens Niederlage gegen Deutschland doch so treffend: „Ich finde es gut, dass die Mannschaft mit Trainer und mit Plan gegen die Mannschaft ohne Trainer und ohne Plan gewinnt.“
Gerechtigkeit
Diese jetzt folgende Beobachtung ist geklaut. Von Tom. Aber sie ist einfach zu gut, um sie zu verschweigen. Er schreibt, dass diese “WM sehr gerecht war. Die Deutschen nahmen Revanche für das Wembleytor, die Franzosen wurden bestraft wegen Henrys
Handspiel
und der Durchschlepper rächte sich an mir für eine böse Bemerkung.” Letzteres ist ein Insider. Aber alles muss man an dieser Stelle schließlich auch nicht verraten.
Les Miserables
Zwei Dinge werden von dieser WM in Erinnerung bleiben, sagte ein ehemaliger französischer Nationalspieler. Der Weltmeister und die französische Nationalelf. Letztere wegen eines desaströsen Auftritts auf und neben dem Platz. Kübelweise ergoss sich der Spott über die Grande Nation. Wie schreibt Kabarettist Claus von Wagner im heutigen
kicker so treffend: Auf französisch klingt „…dich in den Arsch, du Hurensohn“ überraschend elegant.
Zakumi
So heißt das Maskottchen der WM. Ein Leopard. Gesehen hat ihn allerdings kaum jemand, nicht einmal bei der Eröffnungsfeier sei er irgendeinem aufgefallen. Mich wundert es nicht, Leoparden sind nachtaktiv. Die Sueddeutsche hat eine andere Theorie. Es hänge damit zusammen, dass die Südafrikaner die Produktion der Plüschmaskottchen nach Asien verlagert haben, anstatt den eigenen Leuten Arbeit
zu geben. Nachlässig frisiert und masernkrank sei er obendrein. Aber immerhin trug er eine Hose, …
Goleo
…was einen zwangsläufig zu Goleo führt. Über den exhibitionistisch veranlagten Löwen habe ich an dieser Stelle allerdings so oft berichtet, dass jetzt unbedingt andere Tiere an der Reihe sind. Schließlich tauchen viele von ihnen in den Spitznamen der Nationalteams auf. Es gibt die Wüstenfüchse (Algerien), die Elefanten (Elfenbeinküste), die unzähmbaren Löwen (Kamerun), das unzähmbare Pferd (Nordkorea), die Super-Adler
(Nigeria) oder die weißen Adler (Serbien). Für Aufregung sorgte allerdings ein anders Geschöpf mit Flügeln. Ein Hahn. Während des Spiels zwischen Uruguay gegen Frankreich zeigte das Fernsehen einen französischen Fan im Stadion, der einen lebendigen Hahn küsst. Seither rätseln die Organisatoren, wie er das Wappentier des französischen Fußballverbandes in die Arena schmuggeln konnte und warum Leute überhaupt Hühner mitnehmen. Liebe Veranstalter, bei den Franzosen muss einen nach diesen Wochen doch wahrlich gar nichts mehr wundern.
Dunes Café
Wer überlegt, in Südafrika seinen Urlaub zu verbringen und einen Abstecher in die Hout Bay plant, sollte unbedingt das „Dunes Café“ aufsuchen. Es ist ein wunderbarer Platz, um zu frühstücken und zu chillen. Liegt direkt in der Bucht, fast auf den Dünen, mit freiem Blick aufs Meer. Und wer weiß, vielleicht kommt sogar Goleo vorbei.
Townships
Besuche in Townships sind beliebt. In Kapstadt buchen jährlich etwa 300000 Menschen eine Tour durch ein Elendsviertel. Ein Veranstalter erzählte, dass durch den Film „Slumdog Millionaire“ der Umsatz um 25 Prozent gestiegen ist. Die Entscheidung, ob man als Tourist dadurch stapft, muss jeder für sich selbst treffen. Befürworter argumentieren, man wolle Urlaubern die Vorurteile nehmen, zudem dürfe man den Blick für die Realität nicht verschließen. Kritiker indes geißeln die Besuche als Armutsporno. Ich selbst war in keinem Township. Nicht weil ich die Augen verschließe, sondern weil ich befürchte, die Menschen könnten es als weitere Demütigung empfinden. Und das Spenden von Geld dient bei vielen doch eh nur als Gewissensberuhigung. Viel sinnvoller wäre es, sich selbst zu engagieren. So wie Florian Zech. Der 23-jährige Deutsche lebt in Kapstadt und hat in Khaylitsha ein Sozialprojekt gegründet. Auch Patenschaften oder dauerhafte Spenden wären nachhaltiger. Elend und Armut indes als Event zu inszenieren, das lehne ich ab.
Sie ist sowieso nicht der Ort für substanzielle Aussagen oder geistreiche Fragerunden, die Interviewzone nach Fußballspielen. Aber für Journalisten bei Großveranstaltungen leider eine der seltenen Gelegenheiten, mit Spielern zu sprechen oder ihnen zumindest zuzuhören, um ein halbwegs zitierfähiges Statement zu erhaschen. Dass ein Reporter für dieses ohnehin zweifelhafte Vergnügen mittlerweile eine Nahkampfausbildung benötigt, war mir indes neu. Um den Usern dieses Blogs eine bildliche Vorstellung davon zu geben, habe ich eine solche Rudelbildung mit der Digitalkamera festgehalten. Und wäre dafür beinahe mit dem Entzug meiner Akkreditierung bestraft worden. Ein strebsamer LOC-Officer hatte mich beobachtet, als ich das Foto schoss (der Interviewte hinter der Meute ist übrigens Cristiano Ronaldo) und es der FIFA gemeldet. Denn Fotos in der Mixed-Zone sind nicht erlaubt. Ich hatte Glück und durfte weiter berichten. Trotz der Schwere des Verbrechens.
Cristiano Ronaldo
Da er gerade erwähnt wurde, selbst wenn er nicht sichtbar ist, möchte ich kurz bei Cristiano Ronaldo verweilen. Dem teuersten Fußballer der Welt. Aber keine Angst. Da mich an anderer Stelle ein User bereits des Ronaldo-Bashing bezichtigte, verzichte ich auf weitere Beschimpfungen der portugiesischen Diva. Und stelle nur kurz fest – ich weiß, das habe ich jetzt nicht weltexklusiv –, dass die großen, globalen Superstars bei dieser WM arg enttäuscht haben: Ronaldo, Rooney, Ribery, Torres, Kaka. Nur halte ich nichts davon, daraus einen Trend abzuleiten. Zum Beispiel, dass die große Zeit der Individualisten vorbei ist. Nein, die Fälle sind getrennt voneinander zu betrachten. Aber bei Ronaldo bin ich mir ganz sicher,….ach lassen wir das.
Octopus Paul
Gestatten, Paul. Octopus Paul. Ob gerührt oder geschüttelt? Keine Ahnung Aber ein Rückblick ohne ihn, die Krake von Oberhausen, wäre eine Unterlassungssünde. Dafür mache ich es kurz, denn die Welt weiß eh alles über den Tintenfisch, der alle Ergebnisse der deutschen Mannschaft richtig voraussagte. Und auch den Weltmeister.
Iker Casillas
Ohne seine fantastische Reaktion gegen Robben, der alleine auf ihn zusteuerte, wäre Spanien wahrscheinlich kein Weltmeister. Doch nicht nur mit dieser Aktion sorgte Iker Casillas für Aufsehen. Sondern auch mit einem Kuss. Der spanische Schlussmann busselte nach dem Abpfiff eine Fernsehmoderation vor laufenden Kameras ab. Wer’s nicht glaubt, youtube liefert den Beweis. Was man als Erklärung jedoch mit überliefern sollte: Die Journalistin ist seine Freundin. Während Casillas nach dem Kuss wortlos abdampft, ist der holden Schönheit die Situation sichtlich peinlich. Warum eigentlich?
Rugby
Ab sofort rückt der Fußball in Südafrika wieder in den Hintergrund, stattdessen läuft Cricket und Rugby im Fernsehen, der Sport der weißen Bevölkerung. Denn die Rassegrenzen sind auch dort, ähnlich wie beim „schwarzen“ Fußball, noch längst nicht überwunden. Die Springboks, das südafrikanische Rugbynationalteam, kam am Samstag beim Eröffnungsmatch der Tri-Nations durch ein 12:32 gegen die All Blacks aus Neuseeland gehörig unter die Räder. Das Rückspiel zwischen den beiden Auswahlteams, die zu den besten der Welt gehören, steigt am 21. August im 94000 Zuschauer fassenden Soccer City Stadium in Soweto. Man rechnet mit einer nahezu ausverkauften Arena.
Ajax Cape Town
In der obersten südafrikanischen Fußballliga kickt neben Santos ein weiterer Klub aus Kapstadt: Ajax Cape Town, die südafrikanische Talentschmiede von Ajax Amsterdam, für die der Aschaffenburger Max Grünewald als Teammanager jobbt (siehe früherer Blogbeitrag). Der 1999 gegründete Klub, der für gewöhnlich zwischen 5000 und 10000 Fans hat, möchte künftig im Green Point Stadium (siehe Foto unten) spielen. Fassungsvermögen: 65000 Zuschauer. Und flugs wären wir beim nächsten Thema angelangt mit Namen…
Nein, es geht ausnahmsweise nicht um ein Tier. Als „Weißer Elefant“ bezeichnet man ein überflüssiges Bauwerk. Und von denen stehen jetzt einige in Südafrika herum. Denn für die meisten der zehn WM-Stadien ist noch kein schlüssiges Konzept für die Nutzung nach dem Turnier in Sicht. „Es muss eine Balance zwischen Fußball und Rugby gefunden werden, um die geeignete Nachnutzung der Stadien zu gewährleisten“, sagt Danny Jordaan, der Chef des WM-OK. Nur: In Polokwane und Nelspruit gibt es keine Fußball- und keine Rugbymannschaft. Und in Kapstadt stellt sich die Frage, ob die ortsansässigen Klubs überhaupt in den WM-Bau wechseln möchten.
Biltong
Ich verstehe ja nichts davon, denn ich esse kein Fleisch. Aber mir wurde berichtet, dass Biltong verdammt lecker sein soll. Das ist luftgetrocknetes Fleisch von verschiedenen Tieren der Prärie. Und ein verdammt beliebter Stadionsnack. Was dem Deutschen die Bratwurst, ist dem Südafrikaner das Biltong. Oder der Biltong? Oder die Biltong? Mir soll’s wurscht sein.
Ausländerhass
Zuletzt mehrten sich die Nachrichten, Südafrika befürchte direkt im Anschluss der WM, sobald die Weltpresse verschwunden sei, Gewaltaktionen gegen die sechs Millionen Ausländer, die im Land leben. Den Zuwanderern aus Nachbarstataen wird von Südafrikanern vorgeworfen, ihnen die Arbeitsplätze wegzunehmen und sich staatliche Leistungen zu erschleichen. Kommt ihnen irgendwoher bekannt vor? Die Deutsche Presseagentur meldet bereits am heutigen Montag, dass sich auf der Westkap-Halbinsel zahlreiche afrikanische Zuwanderer in den Schutz von Polizeiwachen flüchteten.
Schiedsrichter
Auch so ein Thema bei dieser WM. Aber soll ich jetzt auch noch draufkloppen? Es hat doch eh jeder diese uneinheitliche Regelauslegung und die bisweilen unsäglichen Fehlentscheidungen gesehen. Immerhin scheint die FIFA erkannt zu haben, dass der Videobeweis vielleicht doch für mehr Gerechtigkeit zumindest bei strittigen Torszenen sorgen könnte. „Aber wie immer, wenn die FIFA denkt“, findet Claus von Wagner, „kann das dauern.“
Englische Fans
Es folgt eine Hymne auf die englischen Fußballanhänger und ihre wunderbare Fankultur. Denn der schlechte Ruf, der ihnen vorauseilt, ist zumindest was dieses Turnier betrifft komplett unberechtigt. Ich durfte es in Kapstadt selbst erleben. Sie haben getrunken, sie haben gefeiert, sie haben gesungen. Aber sind nie gewaltätig aufgefallen. Und wären sie nicht gewesen, ich hätte in Kapstadt niemals das Gefühl gehabt, in einem stimmungsvollen Fußballstadion zu sitzen. Gegen Algerien war die gesamte Arena in Weißrot getaucht. Und als die englischen Schlachtenbummler während des Spiels die Nationalhymne anstimmten, lief mir ein Schauer über den Rücken. Cheers!
Weißer Hai
Knapp zwei Stunden von Kapstadt entfernt liegt Gansbaai, die Gänsebucht. Wer abenteuerlustig ist, sollte dort hinfahren. Denn weil auf der zwölf Kilometer vor der Küste gelegenen Insel Dyer Island eine 30000-köpfige Robbenkolonie lebt, wimmelt es in den Gewässern von Weißen Haien. Um die possierlichen Tierchen beobachten zu können, bieten Veranstalter Cage diving an. Man steht also in einem Käfig unter der Wasseroberfläche und kann ihre kleinen Beißerchen aus der Nähe sehen. Wer allerdings ein Schisser ist, so wie ich, lässt das sein. Denn Sehenswertes gibt es auch vom Land aus zu sehen. Wie diese Wellenreiter am Strand von Llandudno in der Nähe der Hout Bay. Hat auch was Und vor allem beißen die nicht.
Ein Land im Aufbruch
Wie ich die Südafrikaner erlebt habe, wurde ich in den letzten Tagen der WM oft von Einheimischen gefragt. Hauptsächlich freundlich, offen, neugierig und stolz, antwortete ich. Und das waren keine Höflichkeitsfloskeln. Die Vorurteile, die es im Vorfeld reichlich gab, insbesondere wegen der hohen Kriminalität, wurden nicht bestätigt. Was mich persönlich aber nicht sonderlich überraschte, denn ich durfte das Land bereits vor drei Jahren bereisen. Die Stimmung während des Turniers war friedfertig, fröhlich und unbeschwert. Nur darf man sich davon nicht täuschen lassen. Denn die junge Demokratie, die sich erst Anfang der Neunziger Jahre von der Apartheid befreite, steht vor immensen Aufgaben. Rassenkonflikte, die extreme Kluft zwischen Arm und Reich, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Strom-und Wasserversorgung in den Armenvierteln oder die erschreckend hohe Rate HIV-Infizierter sind nur ein paar von vielen ungelösten Problemen im 49-Millionen-Einwohner-Staat. Und die müssen gelöst werden, damit die WM den erhofften Schub bringen kann.
Ausgebloggt
So. Jetzt ist aber wirklich Schluss. Ich kann nicht mehr. Wie sagte Peter Lustig immer am Ende von „Löwenzahn“: Ihr könnt jetzt abschalten. Es kommt nichts mehr. Versprochen. Nur noch der Tafelberg. Obwohl: Die Jungs von kicker-online sind bestimmt noch wach. Probiert es doch dort einmal. Die haben immer irgendwelche Neuigkeiten.


























kicker-Redakteur Uwe Röser bloggt aus Kapstadt.